Big Data und Künstliche Intelligenz als künftige OP-Manager?

Die Entwicklung bei den bildgebenden Verfahren verspricht Operateuren immer höhere Auflösungen in Echtzeit und damit die Chance auf weniger Fehler. Bald könnten auch kognitive Assistenzsysteme in die Versorgung kommen.

High-Tech allein beflügelt schon seit langem die medizinische Versorgung. Zum Beispiel werden bildgebende Verfahren immer präziser, haben höhere Auflösung und stehen schneller zur Verfügung. Die am Donnerstag in Düsseldorf zu Ende gegangene, weltgrößte Medizinmesse Medica lässt erahnen, dass das Ende der Fahnenstange noch bei Weitem nicht erreicht ist – obgleich die von den renommierten Ausstellern, aber auch von einigen Start-ups präsentierten Geräte- und Systemlösungen schon jetzt beeindruckend sind.

Für die Sonografie stellte zum Beispiel Philips seine mobile, app-basierte Ultraschall-Lösung für die Kardiologie vor und vermeldete, dass die Bundeswehr für ihre Ärzte und Sanitäter 142 Geräte mit je drei Lumify-Sonden geordert habe. Sie sollen ultraschallgestützte Diagnosen direkt am Einsatzort möglich machten, so dass eine zielgerichtete Behandlung schnell eingeleitet werden könne.

Auf die Flexibilität beim Einsatz der verschiedenen Modalitäten setzt Sony mit seinem "intelligenten digitalen OP", der Video-over-IP Plattform Nucleus. Laut Hersteller kann das OP-Team alle Bildgebungsmodalitäten verwenden – die Teams seien also nicht mehr länger an einen einzigen Hardware-Hersteller gebunden. Video- und Audiodateien könnten in einer Vielzahl von Formaten in Echtzeit über sichere IP-Verbindungen mit geringer Latenz bereitgestellt werden, heißt es.
Impuls für interventionelle Radiologen
Die interventionellen Radiologen stehen exemplarisch für die Nutznießer einer immer leistungsfähigeren Medizintechnik. Wie Professor Christian Stroszczynski, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR), bei der Medica erläuterte, nutzt seine Disziplin bildgebende Verfahren, um medizinische Instrumente im Körper zu steuern, die man entweder über die Gefäße oder direkt durch die Haut in den Körper einführt.

"Damit ist die interventionelle Radiologie zwar ein sehr technikbasierter Bereich, andererseits können damit zahlreiche Erkrankungen direkt behandelt werden", so Stroszczynski.

Wie von Branchenvertretern in den Hallen unisono zu hören war, setzen die innovativen Medizintechnikunternehmen für die weitere Optimierung ihrer Lösungen auf das Potenzial von Big Data und künstlicher Intelligenz (KI).

Einem Roboter, der automatisiert Nadeln für Infusionen oder Biopsien platzieren kann, bot die Medica bereits im vergangenen Jahr eine Fachbühne. Gerade im Bereich der medizinischen Bildgebung könnte KI Systemlösungen ermöglichen, die Operateure bei ihren Eingriffen auf Basis von Algorithmen zielführend assistieren.

Erste KI-basierte Anwendungen für das automatisierte Aufspüren von Tumoren mittels digital generierter Bilddaten aus CT- oder MRT-Systemen stehen kurz vor dem Markteintritt, heißt es. Auch die Verknüpfung mit kognitiven Assistenzsystem zur verfeinerten Diagnosestellung wie Watson von IBM könnte viele neue Optionen für Operateure versprechen – zum Beispiel in organbezogenen Zentren oder im telemedizinischen Einsatz.
Kostendruck – zugleich Bremse und Rückenwind
Die zunehmende Technisierung – das betrifft auch den Einsatz von Apps und Wearables zur Übermittlung patientenindividueller Vitalparameter – lässt Visionären das Herz höherschlagen. Die fortschreitende Vernetzung hat aber auch ihre Schattenseite, für die Hersteller wie Anwender noch nicht allumfassend sensibilisiert sind.

Schnittstellen und geräte- sowie softwareinterne Sicherheitslücken bieten Cyberkriminellen potenzielle Zugriffs- und damit Manipulationsmöglichkeiten. Cyberattacken sind im Gesundheitswesen eine allgegenwärtige Gefahr.

Die Hersteller der immer leistungsfähigeren Bildgebungs- sowie OP-Managament-Optionen wissen, dass ihre Produkte am Markt keine Selbstläufer sind. Oftmals schrecken die auf den ersten Blick hohen Investitionskosten potenzielle Kunden ab. In Deutschland zum Beispiel wissen vor allem kleinere Krankenhäuser, dass ihre Chancen auf die Beschaffung im Zuge der Länderklinikfinanzierung kaum realistisch sind.

Vergessen – oder absichtlich verdrängt? – wird in der gesundheitspolitischen Diskussion aber regelmäßig, dass die High-Tech-Medizin zwar hoher Investitionssummen bedarf, diese sich aber in der Regel in einem überschaubaren Zeitraum amortisieren. Denn Echtzeit und die damit für Operateure verbundene Fehlerreduktion können die Behandlungskapazitäten steigern helfen – und damit jedenfalls mittelbar zur Kostensenkung beitragen.

(Quelle: © Matthias Wallenfels/Ärzte Zeitung)
 
 

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